Stricken als Therapie


  • Wenn man fünfzig Wochen im Jahr auf DIE zwei Wochen hinarbeitet, die sich Urlaub nennen....
  • Wenn man vor dem Urlaub den Schreibtisch noch abarbeitet, weil man nach dem Urlaub keinen mehr hat, weil man im modernen neuen Büroturm mit "open space" und "desk sharing" sitzt...
  • Wenn nach dem Urlaub der neue Chef noch mehr Ansprüche stellt als davor ...
  • Wenn  die vor dem Urlaub delegierte Arbeit unerledigt und um einiges angewachsen wieder im eigenen Verantwortungsbereich landet...
  • Wenn man sich fragt, warum man sich das eigentlich alles antut...

Dann schleichen sich Depressionen ein. Das erste Mal seit Jahren. In der ersten Arbeitswoche nach dem Urlaub noch vier Tage Vollgas gegeben, ein neues Seminar gehalten, eine Kollegin eingeschult, die Mailbox mit hunderten Mails ausgelesen, und, und, und .... und am fünften Tag war es dann aus und vorbei. Ich konnte nicht mehr, saß wie ein Häufchen Elend heulend in der Küche und fühlte mich so klein und hilflos.

Zum Glück habe ich ein tolles Netzwerk, das mich phantastisch aufgefangen hat. Mir geht es schon wieder besser, Gott sei Dank viel schneller als beim letzten Mal. Was mir geholfen hat, nach den ersten, ganz schlimmen Tagen, als ich nur weinend im Bett gelegen bin? Das Stricken. Zu komplizierten Mustern war ich nicht in der Lage, aber zum Glück war mein Sri Lanka-Schal bis auf die Paspel schon fertig. Die besteht aus 5 Maschen, immer 4 glatt rechts und die letzte mit der Randmasche rechts überzogen zusammen. Das wurde nun über mehr als fünfhundert Reihen zu meinem Mantra. Beruhigend wie Yoga im Kopf. Eine Stricktherapie, sozusagen.



Das Ergebnis kann sich sehen lassen, finde ich. Und der Schal wird mich hoffentlich in Zukunft daran erinnern, dass es nichts bringt, sich für zwei Wochen im Jahr zu verausgaben, so wunderschön die auch sein mögen.


Kommentare

Beliebte Posts